Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressionen

Edelsteine und ihre Bedeutung und angeblichen Wirkungen. Die moderne Steinheilkunde. Hilfe für Krankheiten suchen.
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Schwarzschelm
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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Schwarzschelm » 19.09.2010, 21:56

MoinMoin, ihr Lieben!

Das Thema ist zwar schon ein paar Tage älter, aber ich glaube, ich lasse es kurz wieder aufleben, um euch auf den neuesten Stand zu bringen...

Heute Nachmittag hat es mich wie ein Anfall wieder ereilt. Die Gedanken schossen nur noch im Kreis herum, ich hatte auf einmal das Gefühl, nur meine Zeit zu verschwenden und zu nichts nutze zu sein. Das ist Unfug, objektiv betrachtet, denn kein Mensch ist unnutz, aber wenn ich in diese Spirale erst einmal hineinstolper, kommt mir das sehr realistisch vor. Es biss in meiner Seele, ich konnte nicht mehr still sitzen und rannte im Kreis herum, genauso wie meine Gedanken und ich wusste, dass ich etwas tun musste, denn sonst hätte dieses Verhalten darin gegipfelt, dass ich mich wieder verletze oder sonst etwas tue. Zum Gipfel hin ist mir völlig egal, was mir passiert, sonst war immer jemand da, der das schlimmste verhindert hatte und beim letzten Mal habe ich den Schritt gewagt, meine Mutter zu informieren, damit ich sie nicht unglücklich mache (sie hat mir sicherlich nicht umsonst einmal das Leben geschenkt und zwei Mal gerettet, wenn es ihr jetzt egal wäre, was mit mir passiert, hurra, da ist es wieder das schlechte Gewissen), aber dieses Mal war niemand da und das verdammte Handy ist verschwunden :cry:
In diesen Momenten lähme ich mich selbst, ich kann die Wohnung nicht verlassen, ich schaffe es einfach nicht mehr. Draußen könnte ich mich ablenken, aber das funktioniert einfach nicht mehr, wenn ich in der Spirale drin stecke.
In diesen Momenten drehe ich mich in immer engeren Kreisen um mich selbst bis ich mich selbst fast erwürge.
Immer wieder geht es mir durch den Kopf, dass ich nur meine Lebenszeit verschwende (auch, wenn ich normale Dinge tue wie mir einfach mal einen Film anzuschauen) und dass ich keinen Wert hätte, wenn ich nicht etwas großartiges erschaffe. Mir ist klar, dass ich das durch meine Arbeit niemals schaffen werde (viele verwirklichen sich durch ihre Arbeit). Ich werde niemals in diesem Beruf etwas derart großes erschaffen, dass dieses Gefühl in meinem Kopf das Maul halten würde. Aber das würde ich auch in keinem anderen Beruf.
In diesen Momenten ist mir das aber nicht klar, nur vorher und im nachhinein.
Währenddessen raubt es mir fast den Verstand.
Ich muss kreativ tätig sein, sonst habe ich keinen Wert und keine Begründung, auf Erden zu wandeln. Damals, als Kleinkind nach der Hirn-OP habe ich nicht von ungefähr überlebt. Irgendeinen Sinn habe ich in meinem Leben, ich habe irgendeinen Nutzen. Aber ich finde ihn nicht, ich finde ihn einfach nicht! Jahr für Jahr verstreicht, Tag für Tag fließt an mir vorbei und ich weiß nicht, weshalb ich überlebt habe. Ich finde meine Aufgabe einfach nicht. Wenn ich irgendetwas kreatives mache, etwas kleines erschaffe, und sei es ein gemaltes Bild oder ein Gedicht oder irgendsoein Kleinkram, dann beruhigt sich dieses Gefühl der Wertlosigkeit. Es verabschiedet sich niemals ganz, aber es wird so schwach, dass ich es ertragen/ignorieren kann.
Wenn sich die Spirale um mich schließt, kann ich nichts kreatives mehr tun. Wenn ich etwas schreiben will, fällt mir nichts ein, ich kann nicht einmal meine momentanen Gedanken niederschreiben, es klappt nicht. Wenn ich einen Stift in die Hand nehme, scheine ich mir die Finger daran zu verbrennen. Meist schaffe ich es gar nicht, irgendetwas auf das Blatt zu bringen. Und wenn doch, dann unterstreicht es nur meine Unfähigkeit und entstellt das Papier. In diesen Momenten habe ich das Atmen nicht einmal mehr verdient. Mein Körper tut nicht das, was er tun soll und ist wertlos. Muss bestraft werden.
Ich nehme meine Antidepressiva, meditiere, nutze die Steine und trotzdem ist es geschehen. Ich konnte nichts mehr. Alles war wie gelähmt. Meine Wohnung zu unaufgeräumt, zu schmutzig, ich hatte die Zeit, die ich hatte, nicht genutzt um sie sauber zu machen (dabei liegt nur ein wenig Staub herum, weil ich vier Wochen lang nicht da war). Ich hätte in den Regenpausen rausgehen können, um die frische Luft und die schönen Stunden des Tages zu nutzen. Zeit vergeudet, nicht getan. Weil ich einfach nicht daran gedacht hatte. Ich kann nicht an alles denken, wenn ich angeschlagen bin und mich erholen möchte, dann tue ich das nicht im herbstlichen Nieselregen. Aber solche Argumente gibt es in diesen Momenten nicht. Dann ist alles, was ich tue, nur schlecht und verwerflich.
So sehr, dass ich es beenden möchte. Aber das ist ja Schwachsinn, denn dann finde ich die Aufgabe, wegen der ich überlebt habe, ja niemals. Und es gibt diese Aufgabe. Sie lässt sich kreativ ausführen, sonst hätte ich doch nicht dieses andauernde Bedürfnis, etwas zu erschaffen (ich male, seit ich ein Kleinkind bin und habe im Kindergarten, als andere nur Strichmännchen gekrakelt hatten, schon Menschen im Profil gemalt, durch Malen drückte ich mich seit Jahr und Tag aus, bis meine Kunstlehrerin mir das alles zerstört hatte).

Lange Rede, kurzer Sinn:
Das letzte Mal, dass ich etwas kreativ "erschaffen" habe und mich dabei nützlich gefühlt hatte, war, als ich Micons süßer kleiner Tochter ein Geschenk mit zweien meiner Ketten habe machen können. Jemand hatte sich darüber gefreut, dass ich etwas erschaffen hatte. Es hatte einen Nutzen.
Also habe ich mich am Riemen gerissen, die restlichen Perlen zusammengerafft und das Cuttermesser nicht angefasst. Das Ergebnis waren vier Ketten und ein Armband. Ich habe so ziemlich alles an Perlen verbraten, was ich noch hatte, in zwei Ketten habe ich meine Turmalin-Perlen verarbeitet. Bisher hatte ich mich bei ihnen immer zurückgehalten, wollte sie bei etwas besonderem verwenden. Tja, eine Kette hatte ich eben gar nicht wiedergefunden, wusste nur, dass ich sie gemacht habe, aber nicht, wo sie war. ...sie hing um meinen Hals... eben habe ich nachgeschaut, was Turmalin allgemein denn so bewirkt: er fördert die Schaffenskraft. Na, da haben wir es ja... und jetzt geht es mir wieder gut. Ich fühle mich, als hätte ich wieder etwas sinnvolles getan. (nun muss ich mich nur sputen, wieder an Perlen zu kommen, die sind leer)

Es tut mir leid, dass ich euch spät am Abend diesen sinnfreien Roman reingedrückt habe, aber das musste jetzt irgendwie sein...

Ich möchte mich bei euch allen Bedanken, ihr hört zu, ihr seid da, ihr versorgt mit Ideen, ihr seid einfach großartig!!

LG Julia

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Schnecke
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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Schnecke » 19.09.2010, 22:41

Ach, das tut mir leid, dass du wieder in diese Spirale gelangt bist. Ich hoffe, es geht dir bald wieder gut. Und kreativ sein kann gut helfen.
Mal was Andres, hast du ans Reisen gedacht, andre Länder anschauen, eventuell auf freiwilliger Basis helfen?

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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von magicjeanny » 19.09.2010, 22:54

Hallo Julia,

toll dass du einen Weg gefunden hast, aus der Spirale rauszukommen, einerseits deine Kreativität auszuleben und andererseits auch noch mit den Steinchens zu arbeiten, die doch immer wieder gut tun ++"#

Genieß den Erfolg, verankere ihn in deinem Bewusstsein - nimm ihn mit in die nächste Zeit. Und hol ihn immer wieder hervor, wenn du merkst, dass die Spirale zu tanzen beginnt.

Ich schick dir Kraft - wenn du sie annehmen magst.

lG
magicjeanny

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Wildflower
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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Wildflower » 20.09.2010, 07:28

Das war kein sinnfreier Roman, sondern eine Erklärung die mir sehr geholfen hat, jemanden mit genau diesen Syntomen besser zu verstehen! Doch es trifft mich hart zu hören, was ihr durchmacht wenn die Spirale wieder anfängt. Und meine Hilflosigkeit, nicht helfen zu können, dann die Angst, derjenige tut sich was an, weil er keinen Ausweg mehr sieht.....Schlimm..
Umso mehr freue ich mich, das du die Depression wieder besiegt hast!! :D
Das nächste kreative, was du jetzt tun kannst ist, nach neuen schönen Perlen zu forschen. Ich wünsche dir, das du genau die richtigen findest um nochmehr Ketten und Armbänder basteln zu können.
++"#

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Schwarzschelm
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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Schwarzschelm » 21.09.2010, 19:46

MoinMoin ihr Lieben!

Danke für eure lieben Gedanken, das bedeutet mir sehr viel...

Ja, inzwischen geht es mir wieder besser und dank meines Therapeuten durfte ich mir gestern einen dieser "Spiralenauslöser" vorknöpfen und habe versucht, ihn aufzulösen... Klingt leicht, hat aber einiges an Tränen gekostet. Nur, weil man das Problem benennen kann, lässt es sich noch lange nicht einfach ausräumen. Bei mir stecken Sätze, die die Spirale bei mir auslösen, schon seit gut 19 Jahren mehr oder weniger deutlich im Kopf. Das wird ein Vergnügen, diese Sätze an den Wurzeln zu packen und rauszurupfen... :|

@ Schnecke: Reisen ist nicht so meins... ich bleibe eher vor Ort und helfe, wo die Hilfe gebraucht wird (z.B. zwei Seniorenheime sind nebenan und die leiden sehr unter der Verkürzung des Zivildienstes, mal ganz von der Abschaffung zu schweigen :( Irgendwann enden wir alle da, es ist schlimm, dass auch Leute, die noch helle im Kopf sind, auf ihrem Zimmer abgestellt werden und einfach sich selbst überlassen sind, weil niemand mehr da ist, der mal nen Kartenspielabend betreuen kann!)

@magicjeanny: Schade ist nur, dass ich in dieser Spirale eigentlich gar nicht wirklich kreativ werden KANN. Es ist einfach wie eine Blockade im Kopf. Aber für das Ketteln brauche ich nicht so viele "kreative Energien", das fließt einfach, die Perlen reihen sich auf und sind (nach meiner Ansicht, ist in dem Moment auch das wichtige :wink: ) schön. Etwas, das von mir mehr verlangen würde, schreiben oder zeichnen oder aufsticken (mache ich auch gerne :oops: ) funktioniert einfach nicht. Dafür habe ich dann einfach keine Ideen. Der Erfolg muss frisch sein, sonst ist er nichts mehr wert... Er ist dann verfallen. Das lässt sich schlecht beschreiben... Es muss etwas neues geleistet worden sein.

@wildflower: Es ist wirklich schlimm, hilflos daneben stehen zu müssen, ich kenn das ja auch, wenn ich aus der Spirale raus bin, verstehe ich es selbst nicht mehr und stehe genauso hilflos daneben. Andere können dann aber auch nicht mehr wirklich zu einem durchdringen, es funktioniert einfach nicht mehr. Man muss da selbst herauskommen und das fordert sehr viel Kraft. Manche haben diese Kraft, manche aber nicht. Innerhalb der letzten Jahre habe ich viele kennengelernt, die auch diesen Kampf versuchten auszufechten. Momentan stecke ich auch im aktiven Kampf um diese Kraft und ich glaube, am Sonntag habe ich einen Schritt voran gemacht. Aber es ist schrecklich schwer, wie gesagt, überhaupt in den Kampf hinein zu kommen. Nachgeben ist leider einfacher als dagegen an zu gehen... Ich bin ja froh, dass die Menschen inzwischen sehr aufgeschlossen dem gegenüber sind (relativ jedenfalls, vor zwölf Jahren wollte meine Mutter mich rein mit Vitaminen behandeln), damit das überhaupt ernst genommen wird und nicht als Aufmerksamkeitsheischerei oder weinerlich abgetan wird. Es ist ein Fehler von Botenstoffen im Gehirn und in den meisten Fällen auch noch verbunden mit gesteigerter Sensibilität. Dann kommt irgendein dummes Ereignis, das diesen Fehler in Verbindung mit der Sensibilität aus dem Gleichgewicht stößt und dann kommt die Depression. Wichtig ist, dass das Problem ernst genommen wird und dass du dem jemand, von dem du gesprochen hast, zeigst, dass du für ihn da bist, dass du dich für seinen Zustand interessierst, auch wenn es IHN erstmal nicht so sonderlich interessieren dürfte. Zeig Stärke, damit auch der jemand Stärke finden kann, aus seinem Zustand heraus zu kommen. Aber es ist ein wirklich langer Weg. Da stehe ich noch ganz am Anfang und habe vielleicht den ersten Fuß gehoben. Und das hat nicht nur meine Nerven gekostet.

LG Julia

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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Wildflower » 21.09.2010, 22:01

Ich drück dir die Daumen, das du weiterhin Erfolg hast.

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Annika
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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Annika » 22.09.2010, 20:14

Hi Julia,
also ich muss dich gerade unbekannterweise einfach mal Drücken +##+ +##+ +##+
Ich denke an dich, schicke dir ganz viel Kraft und ich glaube an dich :!: :!: :!: :!: das du weiterhin Fortschritte machst, damit es dir bald besser geht.
Alles alles Gute und Liebe Grüße
Annika ++"#

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jettewutz
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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von jettewutz » 26.09.2010, 19:27

Liebe Julia,
was du schreibst hätte haarklein vor 15 Jahren von mir stammen können. Jeder Satz. Ich bin auch Borderliner und hatte, weiß Gott, schwer zu kämpfen. Interessanterweise hat mir damals ein Stein geholfen, auf den ich von selbst gar nicht gekommen wäre, hätte ich nicht von ihm geträumt. Ich sah ihn deutlich vor mir, wusste aber absolut nicht, was für ein Stein das ist. Eine Freundin von mir arbeitete damals in einem Heilsteineladen, zu der bin ich gleich rüber und siehe da: Da lag der Stein! Ein Labradorit! Der Stein der Wahrhaftigkeit. Denn DAS ist es, was unsereinem hilft: Das wahrhafte Erkennen dessen, was wirklich ist. Borderline ist ja angeblich nicht heilbar und ich muss sagen, in Zeiten großer Anstrengung erhebt das Monster manchmal noch sein häßliches Haupt. Ich habe aber in mehreren Jahren Therapie (ich hatte Glück, mein Therapeut war Spitze!) gelernt, damit umzugehen. Und ich bin der lebende Beweis: Man kann es schaffen! Wenn es dich mal wieder ereilt, denk an die schönen Sachen, die du schon gemacht hast. Deine Ketten zum Beispiel. Und verlange von dir nichts, was du noch machen musst. Ich selbst hatte keinen Lebenswillen mehr und plante, mich wahrhaftig selber auszuknipsen. Aber ich konnte das Ruder nochmal rumreißen. Und nachdem ich mich entschied, weiterzuleben, passierten Dinge...allein 2 Menschen wären jetzt nicht mehr, wenn ich gegangen wäre. Glaube mir, das Ewige beurteilt dich nach dem, wer du bist. Nicht nach dem, was du leistest. Aber da musste ich auch erst dahinter kommen :wink: .
Aber so, wie du schreibst, wirst du es schaffen Da bin ich mir sicher. Du kämpfst. Und du teilst dich mit. Ganz wichtig! Ich wollte nie, dass jemand erfährt, wie schlecht es mir geht. Da bist du schon weiter! Deine Berichte haben mich sehr berührt. Ich danke dir dafür und wünsche dir alles erdenklich Gute für deinen weiteren Weg!

Alles Liebe,
Christine

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Rita_S
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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Rita_S » 26.09.2010, 19:57

... jette muß ein glücksschwein sein ...

vielen dank christine für deinen beitrag.

so oft habe ich deine beiträge gelesen, liebe julia,
oft wortlos zum nächsten thema übergegangen,
immer mit dem gefühl, nichts sagen/schreiben zu können,
nicht die richtigen worte zu finden.
jetzt weiß ich, was ich dir wünsche:

schwein, schwein und nochmals schwein
in deinem leben, für dein leben.
meine gedanken begleiten dich und deinen bruder.

herzliche grüße

rita ´++´´´+

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Schwarzschelm
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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Schwarzschelm » 26.09.2010, 20:31

MoinMoin ihr Lieben!

@ christine: Nachdem ich über zehn Jahre lang geschwiegen habe (als es anfing, hatte ich auch darüber gesprochen, aber da wurde es nicht ernst genommen, du weißt sicher, viel fatal das ist), ist mir aufgegangen, dass weder mir noch anderen mit meinem Schweigen geholfen ist. Während ich die Klappe gehalten habe, ist mein Leben schön vor sich hin verblüht. Mir fehlt diese Zeit, das merke ich jetzt. Ein Teil meiner Entwicklung ist in Selbstmitleid ersoffen. Nun weiß ich, ich lebe jetzt und das will ich - verdammt noch mal! - nutzen ohne schlechtes Gewissen und ohne Strudel im Kopf, der mich nach unten zieht! Denn nun weiß ich, dass ich mein Leben in meiner Hand habe und dass ich es immerhin jetzt begriffen habe. Zeit habe ich vielleicht verschwendet, aber ich habe noch genug übrig, um alles nachzuholen :wink:
Vielleicht kannst du uns ja auch an deinen Erfahrungen teilhaben lassen, damit auch andere, die in einer ähnlichen Situation wie wir stecken, hier lesen können? Denn wir sind nicht alleine, aber das Totschweigen ist ja eine sehr beliebte Disziplin bei Depressiven/Borderlinern...
Mich würden deine Erfahrungen auf jeden Fall interessieren :oops: wahrscheinlich hätte ich viel eher jemanden gebrauchen können, der von seinen Problemen in der Hinsicht erzählt hätte, weil ich ja dazu neigte, mir selbst vorzuwerfen, dass ich einfach nur eine Heulboje sei :( und dass nur ich mich blöde anstellen würde.

Ich hoffe, dass ich diesen Lebensabschnitt bald genauso erleichtert als abgeschlossen betrachten kann wie du es kannst ++"#

@rita: Es ist schön zu hören, dass diese Beiträge hier gelesen werden. Ich schätze, dass Depressionen und Borderline, obwohl es mittlerweile Volkskrankheiten sind, immer noch unterschätzt werden. Und sie können überall auftreten und zeigen sich in unterschiedlichen Ausprägungen. Ich zwinge ja niemanden, das alles hier zu lesen :wink: Aber wer es lesen mag, kann vielleicht einen Einblick in den Kopf eines Depressiven/Borderliners gewinnen und es auch etwas besser verstehen.
Und danke dir für das Schwein +##+ ich hoffe, dass ich es eines Tages finde und festhalten kann :lol:

LG Julia

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Schwarzschelm
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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Schwarzschelm » 26.09.2010, 20:41

@ all: +._-{### +._-{### +._-{### +._-{### +._-{### +._-{### für eure Anteilnahme, eure lieben Gedanken und die Energie!
Seit ich hier offen spreche, fühle ich mich leichter und selbstbewusster, damit umzugehen und der Depression die Stirn zu bieten.
Ohne euch alle wäre ich nicht so weit gekommen!!!

+##+ +##+ +##+ +##+ +##+

LG Julia

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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von jettewutz » 27.09.2010, 12:22

Liebe Julia,
gerne berichte ich von meinen Erfahrungen, ich hätte mir damals auch Jemanden gewünscht, der sowas schonmal durchlebt hat. Und dass man dir nicht glaubte, als du das erste Mal darüber sprachst, ist typisch. Mir wurde Drogenmissbrauch unterstellt. Dabei rauche ich noch nicht mal Zigaretten und bin nach einem Bier schon lustig :lol: . Aber es MUSS ja eine plausible Erklärung geben, gell???
Was mir immer geholfen hat, war, in übelsten Situationen abzuwaschen oder so - Bewältigung von Krisen durch Schaffung sichtbarer Ergebnisse. Oder Gehen. Mein Gott, ich weiß nicht, wieviele Kilometer ich nachts in der Stadt umhergewandert bin!
Und nur, um mal zu schildern, wie verzerrt die Wahrehmung durch die Krankheit ist: Ich war, als es richtig schlimm wurde, gerade mit meinem Studium fertig (Grafik-Design). Ich hätte Aufträge ohne Ende kriegen können (ich arbeite freischaffend als Illustratorin), aber ich bildete mir ein, dass der Beruf ZU GUT für mich wäre!!!!! Bei Borderline sind dem Wahn echt keine Grenzen gesetzt! Ich habe dann während der Therapie als Packerin in einem Supermarkt gearbeitet. Verwundert erzählte ich meinem Therapeuten, wie lieb die da alle zu mir wären. Daraufhin fragte er mich:"Wie sind sie denn zu denen?" Klar war ich auch lieb, aber das SAH ICH NICHT!!!
Du meine Güte, ich könnte noch Stunden so weiterschreiben. Fragt mich am besten einfach, ich werde antworten, so gut ich kann!

Ganz liebe Grüße,
Christine

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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Schwarzschelm » 27.09.2010, 19:37

MoinMoin liebe Christine!

Jaja, meine Mutter wollte mir Vitamine andrehen... und dann hat sie noch einen der schönsten Sprüche gerissen den eine Mutter nur von sich geben kann: "Hör einfach nicht hin."
Sicher... manchmal wollte ich die Stimme in meinem Kopf mit einem Tomatenmesser zum Schweigen bringen (das in der Küche meiner Eltern hatte zwei Spitzen, daran erinnere ich mich ganz genau und bis heute mache ich um solche Messer einen großen Bogen, das ist für mich ein "Trigger"...). Drogen wurden mir nicht unterstellt, zum Glück...

Da sieht man mal, wie unterschiedlich die Menschen sind... wenn ich angefangen habe zu putzen, dann steigerte sich das weiter und weiter, bis ich wieder blutend am Boden lag und aus dem Heulen nicht mehr herauskam. Das war nur die Verzweiflung und ich finde es faszinierend, dass das damals nie als Alarmsignal gedeutet wurde.

Bei mir hat es richtig schön zusammen mit der Pubertät begonnen, schön so schleichend, dass niemand das mehr unterscheiden konnte. Wo war die Grenze zwischen Pubertät und Depression? Keine Ahnung.
In der Schule wurde ich gemobbt, weil ich hässlich war und "dumm". Na ja, eigentlich nicht, aber wenn es einem täglich fünfzig Mal von mehreren verschiedenen Mitschübern eingeredet bekommt, glaubt man das auch... bis heute bin ich das nicht los.
Ich hatte und habe immer wieder das Gefühl, niemals gut genug sein zu können - egal, was ich mache und wie sehr ich mich anstrenge. Als würde es nie genügen. Als wäre alles, was ich tue, schlecht und lästig. Wenn mein Schub kommt, dann wird irgendwann mein eigener Atem zu etwas schlechtem und lästigen.
Leider hatte ich mir bisher nur ungesunde "Ablenkungen" gesucht... Zwischenzeitlich war ich arbeitslos (und das bestätigte mich ja noch in dem Glauben, nichts wert und nur unnütz zu sein) und habe in der Zeit kaum geschlafen und pro Tag nur einen Toast mit einer Scheibe Salami gegessen. Dazu neige ich bis heute noch.

Das alles wurde bei mir nie als Symptom angesehen (aber ich war auch ganz großartig darin, alles zu verstecken und wegzureden, vielleicht kennst du das auch). Am Schluss habe ich mir selbst in den Hintern getreten.

In meiner zweiten akuten Phase (etwa mit achtzehn) habe ich sehr viele Menschen kennengelernt, die ebenfalls das Borderline-Syndrom aufwiesen, als hätten wir uns verabredet. Hast du das auch erlebt? Mit einer von ihnen bin ich immer noch fest befreundet, sie hat den Absprung ebenfalls "irgendwie" hinbekommen. Einen Freund habe ich verloren, weil er es nicht mehr ausgehalten hat und mit einer habe ich den Kontakt völlig verloren.

Ich erlebe es als nagende, vorwurfsvolle Stimme im Hinterkopf, die mir bis heute immer wieder einflüstert: "...und in Wirklichkeit hält er dich für genauso bescheuert, wie du bist!" oder "Das hast du vielleicht richtig gemacht, aber das war auch das einzige."
Es sind so viele kleine Facetten, die wie Glassplitter in die Seele schneiden, ich fürchte, dass es niemand wirklich voll erfassen kann, der es nicht selbst erlebt hat. Und das ist auch gut so, ich würde es keinem wünschen.

Oh, entschuldigt bitte den Roman! Schon wieder so viel geschrieben... ich hoffe, ich habe nicht allzusehr den Zusammenhang verloren :oops: :oops:

LG Julia

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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von AnotherBee » 28.09.2010, 08:25

Liebe Julia,

ich danke dir so sehr für dine bewegenden Schilderungen. Ich habe einen sehr lieben Freund, der unter der Borderline-Erkrankung leidet. In deinen Beschreibungen erkenne ich ihn so deutlich und vieles wird mir durch deine Worte noch klarer. Ich habe solche Angst ihn zu verlieren, aber du machst mir auch Mut, dass man es schaffen kann aus dem Tunnel zu kommen.
Ich wünsche dir alles Liebe und Gute und noch einmal Danke!

Barbara

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jettewutz
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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von jettewutz » 28.09.2010, 11:43

Liebe Julia,
das mit dem Putzen ist ja krass! Bei mir hat das immer geholfen, aber Borderline ist so vielschichtig und unterschiedlich...aber alle anderen deiner Schilderungen kenne ich auch. Bei mir wars kein Tomatenmesser, sondern ein Cutter. Und ich muss öfter damit arbeiten! Das geht aber nur, weil ich die Krankheit jetzt unter Kontrolle habe. Und dass einem immer die Eltern in den Rücken fallen! Ich glaube aber nicht an böse Absicht, es ist Angst und Unvermögen, zu helfen. Meinen ersten wirklich lebensbedrohenden Selbstmordversuch hatte ich mit 18. Mein Vater hat es gar nicht mitgekriegt und meine Mutter hat mir 6 Jahre später, als ich sie darauf ansprach, erklärt, dass sie es mitgekriegt hätte, aber nicht wusste, was sie tun soll. Super.
Dass du unter deiner Arbeitslosigkeit gelitten hast, kann ich gut nachvollziehen. Ging mir auch so. Aber: So offen und voller Kraft über diese Dinge zu schreiben, erfordert Mut und Charakterstärke! DAS muss man erstmal bringen! Großes Lob! Allein dadurch kann man sich selbst (und anderen) schon sehr helfen. Am Anfang war das Wort. Da ist echt was dran!

Liebe Grüße,
Christine

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Schwarzschelm
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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Schwarzschelm » 28.09.2010, 20:16

MoinMoin ihr Lieben!

@Barbara: Dann habe ich schon etwas erreicht, wenn du dich nun besser in deinen Freund hineinversetzen kannst. Aber das Traurige ist, dass man ihn von außen eigentlich nicht erreichen kann, erst, wenn er bereit ist, sich dafür zu öffnen. Solange muss man als Außenstehender warten, auch wenn es schwer ist. Sei für ihn da und lass ihn das spüren. Dann kommt das Vertrauen. Wenn er es schafft, sich einem Menschen anzuvertrauen, dann wird er auch wieder selbstsicherer.

Ich glaube, dass es ganz stark mit dem Selbstwertgefühl zusammenhängt, dass sich nicht vernünftig entwickelt hat. War es bei dir auch so, Christine? Bei den Borderlinern, die ich noch kennen gelernt habe, war es so... aber ich weiß ja, dass das alles auf das Individuum ankommt :wink: Ich meine, dass das Selbstwertgefühl wirklich krankhaft klein ist und man sich selbst nur unter den Scheffel stellt...

@ Christine: Anscheinend standen unser beider Mütter sehr hilflos vor unseren "Aktivitäten"... Aber ich nehme es ihr nicht übel. Das könnte ich nicht. Sie ist noch ein sehr schlichter Mensch, sie hat vier Kinder großgezogen, ist mit 13 Jahren von der Schule abgegangen, weil sie arbeiten gehen musste und hat klassisch geheiratet, weil sie schwanger war... aber sie hat die richtige Entscheidung getroffen, das bewundere ich. Und dann fühle ich mich noch schuldiger, weil ich ihr ihr Glück versaue... Sie konnte nicht verstehen, dass etwas im Kopf so aussetzen kann, dass man sich selbst kaputt macht und man das nicht wie eine Grippe behandeln und heilen kann. Deshalb war sie so hoffnungslos überfordert damals. Inzwischen hat sie einige Bücher verschlungen und versucht nun geduldig und verständnisvoll zu sein.
Ich danke dir für deine Worte, das motiviert mich, weiter zu sprechen... denn es befreit mich und ich merke immer wieder, dass ich auch anderen damit helfe. Betroffenen und hilflosen Angehörigen. Es tut gut, nachdem ich es... wie lange ist das nun schon... elf Jahre? Ich glaub schon... Es tut einfach gut, nachdem ich es so lange Jahre in mich hineingefressen habe.

LG Julia

AnotherBee
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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von AnotherBee » 29.09.2010, 11:41

Schwarzschelm hat geschrieben:
Sei für ihn da und lass ihn das spüren. Dann kommt das Vertrauen. Wenn er es schafft, sich einem Menschen anzuvertrauen, dann wird er auch wieder selbstsicherer.
Das sich anvertrauen fällt ihm unendlich schwer. Er vermauert sich komplett. Manchmal gelingt es mir einen Stein in seinem Gemüt zu lösen. Aber das Nähe Distanz Problen macht es schweirig. Man darf ihm nicht zu nahe kommen, wenn er es nicht will. Manchmal scheint er sich vertrauensboll öffnen zu wollen und buchstäblich im nächsten Moment versteinert er wiede, zieht sich völlig zurück. Dabei ist es deutlich dass er sich nach Wärme und Nähe sehnt.

Schwarzschelm hat geschrieben:
Ich glaube, dass es ganz stark mit dem Selbstwertgefühl zusammenhängt, dass sich nicht vernünftig entwickelt hat. War es bei dir auch so, Christine? Bei den Borderlinern, die ich noch kennen gelernt habe, war es so... aber ich weiß ja, dass das alles auf das Individuum ankommt :wink: Ich meine, dass das Selbstwertgefühl wirklich krankhaft klein ist und man sich selbst nur unter den Scheffel stellt...
Ja das Selbstwertgefühl meines Freundes ist sehr gering. Eigendlich völlig unglaublich wenn man bedenkt dass er ein bekannter und vielgeschätzter Künstler ist. Selbst den tosensten Applaus nimmt er entgegen als gälte er nicht ihm. Ich denke auch Minderwetigkeitsgefühle sind ein deutliches Borderline Symptom.

Ich bewundere euch sehrJulia und Christine, dass ihr so offen mit der Depression umgehen könnt und sie zur Sprache bringt. Ich leide selbst unter einer Depression, allerdings ohne deutliche Borderline Symptomatik, es fällt mir aber auch sehr schwer darüber zu sprechen. Sogar mit meiner Therapeutin gelingt mir das nicht wirklich. Danke nochmals! :D

Liebe Grüsse, Barbara

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jettewutz
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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von jettewutz » 29.09.2010, 14:10

Hallo ihr Lieben!
Selbstwertgefühl? Kannte ich nicht. Ich hielt mich immer für den letzten Dreck. In dem Buch "Die Wolfsfrau" gibt es eine Passage, in der einer Künstlerin großes Lob für ihre Zeichnungen ausgesprochen wurde. Ihre Antwort darauf:"Was, dieses Gekritzel finden Sie gut???" Meine Schwägerin las das Buch im Urlaub. Als sie zu der Stelle kam, musste sie laut lachen und sagte zu meinem Bruder:"Hey, deine Schwester kommt in diesem Buch vor!!!".
@Barbara: Ich kann deinen Freund gut verstehen. Man ist wie unter einer Käseglocke gefangen, nichts kommt an einen ran. Irgendwie ist einem alles egal. Bei mir steckte dahinter, dass ich null Lebenswillen hatte. Man kann dann die Begabungen, die man einfach so geschenkt bekommen hat, absolut nicht würdigen. Als Künstler erlebt man Gefühle eh doppelt und dreifach so stark wie die meisten Menschen, Krisen werden sofort existenziell. Ich kannte nur zwei Gemütszustände: Extase und Agonie. Als ich damals mit der Therapie begann, sagte mir mein Therapeut, davon müsste ich runterkommen, sonst würde mich das irgendwann umbringen. Ich sollte lernen, auch mal nur ein bischen traurig oder ein bischen fröhlich zu sein. Kann ich jetzt auch :) . Es war ein langer Weg, aber es hat sich gelohnt. Zwischendrin habe ich manchmal Angst, weil diese Extremzustände nicht ständig vorhanden sind. Daran war ich ja gewöhnt. Aber dann mache ich die berühmte "Realitätsprüfung" und alles ist wieder in Butter. Als Borderliner muss man sich ständig die Realität vor Augen führen, sonst baut man sich seine eigene und die ist nicht rosig....
@Julia: Meine Mutter war auch einfach überfordert, sie war 18, als ich geboren wurde und hat auch nur die Hauptschule besucht, um dann Verkäuferin zu werden. Für sie muss ich wie ein Wesen vom andern Stern gewesen sein :shock: Ich war ihr auch nicht böse, ich war mehr geschockt als alles andere.

So, jetzt muss ich schnell noch ackern, die Brötchen verdienen sich nicht von allein :mrgreen:

Liebe Grüße,
Christine

P.S.: Sollte jemand von euch unter Schlafstörungen leiden, mir hilft es da enorm, einen Ozean-Jaspis in der Hand zu halten, hilft vielleicht besonders gut bei unsereinem :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

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Schwarzschelm
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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Schwarzschelm » 30.09.2010, 20:04

MoinMoin ihr Lieben!

@Barbara: Da kann ich deinen Freund verstehen... Lob dem, was ich getan habe gegenüber bin ich auch immer ganz ungläubig und misstrauisch. Das erreicht einen einfach nicht, prallt ab, lässt (mich jedenfalls) böse Hintergedanken vermuten.
Auch du wirst es schaffen, dich etwas zu öffnen. Glaub an dich (jaja, ich weiß... look who's talking), ich jedenfalls tu es! Sprechen hilft. Offen damit umgehen hilft noch besser. Selbst meine Kolleginnen wissen jetzt davon. Wenn ich ihnen irgendwie komisch vorkomme, mich mehr zurückziehe, dann bekomme ich jede Menge kleine Aufgaben, die Zeit fressen, aber nicht anstrengend sind :lol: Die Kraft der Ablenkung :wink:
Wenn du hier in der Anonymität des Internets sprechen magst, tu es, denn auch das hilft. Von uns bekommst du Unterstützung. Mir wurde hier so liebevoll geholfen, du wirst hier nicht alleine gelassen!

@Christine: Jaja, schwarz-weiß-Denken... es gibt entweder gut, das heißt perfekt und es gibt eben schlecht. Und schlecht ist alles, was nicht gut ist. Dass es etwas geben kann, das gut ist auch ohne perfekt zu sein, glaube ich bis heute nur selten. Ich muss mich immer ganz stark am Riemen reißen. Aber Bauchatmung und Reiki helfen auch... Jedenfalls dabei, runter zu kommen und zu versuchen, nicht unbedingt wertend auf alles zu schauen, was ich getan habe.

LG Julia

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Schwarzschelm
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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Schwarzschelm » 14.11.2010, 13:51

Oh meine Güte.

Am Freitag war ich bei meinem Therapeuten und mein Vater, der mich gebracht hat, kam mit rein. Er versteht das gesamte Prozedere nicht. Das ist nicht seine Welt.
Jedenfalls saßen wir nebeneinander und unterhielten uns über die bei mir bald anstehenden Übernahmegespräche. Weil ich dieses Jahr kaum im Laden war (dank Berufsschule), sieht es mit meiner Arbeitsroutine nicht sooo dolle aus (aber noch lange nicht schlecht).
Und dann ließ mein Vater einen Satz fallen, für den ich ihn am liebsten gehauen hätte. Ehrlich.
"... aber denk dran, du musst immer etwas besser sein als alle anderen."
Jaaa, danke, gib dem Monster in meinem Kopf, das mich zur Perfektion zwingt, auch noch Futter, Rechtfertigung, was meinst du, weshalb ich im Frühjahr so zusammengebrochen bin, dass mich drei Ärzte am liebsten in der Klinik gesehen hätten?
Ich habe nicht geantwortet. Er hat es ja nicht böse gemeint. Er weiß es nur einfach nicht besser auszudrücken, dass er nur das beste für mich will.
Trotzdem ist es so hart.

Entschuldigung, aber das musste eben einfach raus...

LG Julia

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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Wildflower » 14.11.2010, 14:43

Ja, da hat er völlig falsch reagiert.
(((Schwarzschelm ´++´ßß )))

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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Schnecke » 14.11.2010, 16:13

Ich kenne das, meine Eltern waren auch so: "Immer die Beste, immer ganz oben". Mein Wiederstand war, ihnen das Gegenteil zu zeigen, kaum für die Schule gelernt (obwohl ich wusste, ich konnte es besser). Heute bereue ich es, mich so von meinen Eltern unter Druck gesetzt zu haben. Sie sagten immer, was Andre machen geht uns nix an, aber wenn jemand besser war als ich sollte ich es mir als Beispeil nehmen.
Ich versteh dich voll und ganz +##+ ´++´ßß

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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Taurus » 15.11.2010, 11:30

:roll: viele Männer können sich eben auchnicht "richtig" ausdrücken... +##+
ich finds trotzdem gut dass du das hier rasugelassen hast, ist schon was andres wie wenn mans in sich reinfrißt, auch wenn man weiß dass der Papa das an und für sich so net gemeint hat... lass dich +##+

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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von magicjeanny » 15.11.2010, 13:07

Hi Julia,

bei Erlebnissen wie dem das du geschildert hast fällt mir immer der Satz

Das Gegenteil von Gut ist gut gemeint

ein. (Stammt nicht von mir, sondern von Karl Kraus, einem genialen Schriftsteller und Kabarettisten der Anfang des vorigen Jahrhunderts in Wien gelebt und gearbeitet hat.)

In den Augen deines Vaters hat er sicher "nur" dich aufmuntern und anspornen wollen - dass er damit im Prinzip genau das Gegenteil erreicht war ihm sicher nicht bewusst.

Fühl dich gedrückt - so wie ich dich erlebe machst du deinen Weg.

LG
magicjeanny

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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Schwarzschelm » 15.11.2010, 19:06

MoinMoin ihr Lieben!

Vielen Dank für eure lieben Rückmeldungen ++"#

Mich hat es so angefallen, so entsetzt, was mein Vater da gesagt hat. In jeder normalen Situation sollte man ja denken "er will mich motivieren, mich mehr anzustrengen". Aber er kann nicht verstehen, dass ich so etwas gleich als Abwertung empfinde, immer glaube, wenn ich so etwas zu hören bekomme, dass ich zu schlecht bin. Dass ich noch besser werden muss.

Wie oft habe ich das vorher gehört und es unreflektiert in mich hinein gefressen? Warum habe ich das nie vorher hinterfragt "wie ist das wirklich gemeint?", "was hat Mama/Papa sich dabei wirklich gedacht?", "in welcher Situation wurde es gesagt?", "In welcher Stimmlage wurde es gesagt?"
All das habe ich vorher nicht getan. Ich habe alles nur als gerechtfertigte Kritik gesehen, als negative Kritik. Weil ich mich mehr anstrengen muss. Weil ich nicht gut genug bin.
Herr im Himmel, was bin ich dämlich... Ich muss noch so viel lernen... vielleicht auch, dass ich gar nicht dämlich bin :wink:

Vielen Dank, dass ihr mir wieder zugehört habt, das bedeutet mir sehr viel....

LG Julia

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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von magicjeanny » 15.11.2010, 20:47

Also das Ende deines vorletzen Satzes ist schon mal ein guter Anfang *gggg*

Weiter so ;-)

Ich weiß wie schwer es manchmal ist, aus dem eigenen Gedankenkarussell rauszukommen.

LG
magicjeanny

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Taurus
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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Taurus » 16.11.2010, 11:12

Schwarzschelm hat geschrieben:... vielleicht auch, dass ich gar nicht dämlich bin :wink:
siehste Liebes, Selbsterkenntnis ist und bleibt der erste Weg zur Besserung +## +##+
geschrieben sieht das jetzt natürlich auch wieder doof aus, aber ich hoffe und denke ja du weißt von wem es kommt und das es allein der Aufmunterung dienen soll +#

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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Schwarzschelm » 22.11.2010, 21:08

MoinMoin ihr Lieben!

Oh Mann... letzte Woche Freitag war ich das letzte Mal für die nächsten sechs Wochen bei meinem Therapeuten. Mein Vater hatte mich wieder hingebracht und, nachdem er einen Freund besucht hatte, auf mich gewartet.
Als ich rauskam, wollte er natürlich wissen, wie es war und was es mir gebracht hätte (denn er versteht eine Psychotherapie nicht, das ist nicht wie beim Zahnarzt, er zieht den faulen Zahn und das Problem ist weg). Guuuut, ihm zuliebe.... ich hatte von meinem Therapeuten ein nettes kleines Computerprogramm für Borderliner bekommen, bei dem einem die eigenen Verhaltensweisen vor Augen geführt werden und Tricks gezeigt werden, wie man sich aus der Abwärtsspirale wieder rausbekommt.
Also hatte ich schon ein wenig in dem Programm gestöbert und schon mal ein wenig an der Oberfläche gekratzt. "Wer ist dafür verantwortlich, dass es mir so geht, wie es mir geht?", war eine der interessanteren Fragen. Selten sind die Borderliner selbst die Auslöser für das Auftreten dieser Störung. Meist wird es durch jemand anders verursacht, beziehungsweise "aufgeweckt".
Wer hat es also bei mir "aufgeweckt"?
Vermutlich die Ärzte und Krankenschwestern, die mir als dreijähriges Kind nicht erklären konnten, warum ich dauernd Kopfschmerzen hatte, meine Haare weg waren, ich meine rechte Körperhälfte nicht bewegen konnte undundund... okay, die waren auch nicht wirklich das Fachpersonal dafür, aber ein Kinderpsychologe hätte schon drin sein können, immerhin war das ja nicht irgendwie eine Blinddarm-OP.
Das habe ich dann meinem Vater gesagt, dass ich für mich die "Verursacher" meiner "Störung" gefunden hätte.
Und er stimmte mir zu, dass "der Arzt" garantiert Schuld daran sei. Moment mal. Schuld gebe ich eigentlich keinem, das war nur eine Verwicklung ungünstiger Umstände. Und warum ein Arzt, an der OP waren mindestens zwei beteiligt, in der Nachsorge drei und mehrere Schwestern.
Nein, mein Vater meinte einen ganz anderen Arzt:
Für meine Mutter war ich eine Risikoschwangerschaft, weil sie schon 40 war, als ich geboren wurde. Also sollte Fruchtwasser für eine Untersuchung entnommen werden, um ausschließen zu können, dass ich Morbus Down habe.
Drei Mal dürft ihr raten, was passiert ist.
Der nette Arzt hat nicht nur meiner Mama in den Bauch gestochen, um Fruchtwasser zu entnehmen, sondern hat auch gleich noch meinen linken Oberschenkel durchbohrt (da hatte er dann ganz frisches Fötus-Material, mein Glückwunsch).
Damit, so meint mein Vater auch völlig zurecht, hätte mich dieser Arzt nicht nur des Schutzes vor Umwelteinflüssen im Mutterleib beraubt, sondern mich auch noch verletzt.
Und dass da ein Fremdkörper von der Nadelspitze sich durch meine Blutbahnen hat bewegen können, ist ja wirklich nicht auszuschließen.
Mein Lieber mein Schwan...
Das hat mich wirklich zum Schlucken gebracht. Alleine dieses Gedankenspiel nachzuvollziehen.
Hätte-wäre-wenn, ist ja sowieso egal, denn passiert ist passiert und ich muss jetzt damit leben. Es würde jedenfalls erklären, weshalb die Ärzte damals den Fremdkörper in meinem Gehirn nicht sicher identifizieren konnten.

Da habe ich nach der Therapiestunde mehr gelernt als währenddessen... und auch meinen Vater das erste Mal so aufgebracht erlebt, dass ich dachte, der schlägt gleich (im Ärztehaus) den nächstbesten Arzt nieder.

Das war irgendwie alles sehr verwirrend, um es ein wenig zu entwirren, habe ich es jetzt mal aufgeschrieben...
Mal sehen, das gibt dem ganzen Problem mehr Kontur und Deutlichkeit und hilft mir dabei, mich als nicht so kaputt und fehlerhaft zu betrachten, wie ich es bisher tat. (Denn an diesem Fehler bin ich ja ziemlich eindeutig nicht schuld...)
Steckt zwar noch ein gutes Stück Arbeit drin, aber das packe ich schon irgendwie :)

LG und entschuldigt den Roman...

Julia

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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von magicjeanny » 22.11.2010, 21:25

Hi Julia,

du musst dich für deine "Romane" nicht entschuldigen.

Ich finds toll, dass du wieder einen Puzzlestein gefunden hast, der dich ausmacht - und der dir auch noch die Last wegnimmt, an allem "Schuld" zu sein.

Deine Familie scheint sehr wie meine zu sein - alles ist zu reparieren, und das auch noch möglichst mit wenigen Handgriffen. Dass das bei einer Seele nicht so schnell geht, ist in ihren Denkmustern nicht drinnen.

LG
magicjeanny

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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Schwarzschelm » 23.11.2010, 20:43

MoinMoin liebe magicjeanny!

Na ja, ich kann es meinen Eltern ja nicht einmal übel nehmen, mit Jahrgang 1942 und 1946 muss das auch schwer nachvollziehbar sein, da diese ganzen ausgeprägten seelischen Störungen ja erst in den letzten zehn, zwanzig Jahren wirklich erforscht und als Krankheiten erkannt wurden...

Aber wenigstens meine Mutter hat sich mehr damit befasst und Bücher gewälzt, damit sie wenigstens ansatzweise nachvollziehen kann, was in mir vorgeht. Sie ist seitdem relativ paranoid und ruft mich jeden Abend an, damit sie sicher gehen kann, dass ich nicht plötzlich einen Schub habe. Jetzt, wenn ich in Lübeck und somit aus ihrem Wirkungsbereich bin, erst Recht :wink:
Deshalb ist sie ziemlich glücklich, dass ich mir jetzt wieder ein Doppelzimmer mit einem Mädel teile und nicht wieder komplett alleine in einem Einzelzimmer sitze.

Im Moment geht es mir aber gut. Und ich tu alles, um diesen Standard festzuhalten :wink:

LG Julia

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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Wildflower » 23.11.2010, 21:42

Mütter machen sich immer Sorgen - aber das kann man erst verstehen, wenn man selber Mutter ist...... :wink:
Und manchmal stecken die Mütter ihre Töchter mit den Sorgen machen an und kriegen dann zu hören, warum man denn jetzt erst komme, man hätte sich große Sorgen gemacht......."Tschuldigung, wußte nicht, das du schon früher zurück bist."
:wink:

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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Schwarzschelm » 25.02.2011, 22:41

MoinMoin ihr Lieben!

Heute hab ich irgendwie direkt gemerkt, dass meine Welt irgendwie ein bisschen arg quer steht.
Für drei Tage habe ich Vertretung in einer Filiale im Nachbarort gemacht, weil die eigentliche Filialleiterin gerade Meisterprüfungen macht. Dort ist nur die angelernte Kraft, die seit fünf Monaten da ist. Sie könnte vom Alter her gut meine Mutter sein.
Wir hatten schon gestern mal kurzfristig über Depressionen gesprochen, weil sie meinte, ihr Mann würde an einer leiden, die ihn seit Dezember völlig lahmlegt. Bei der Gelegenheit hatte ich angemerkt, dass ich ihm das schwarze Loch nachempfinden könne.

Gestern Abend strahlte sie mich dann an und sagte, dass es ihr selten zuvor so viel Spaß gemacht hätte, zu arbeiten und etwas zu lernen. Dabei habe ich ihr doch nur ihre Fragen beantwortet und alles, was ich gemacht habe, so erklärt, dass sie es auch gut verstehen konnte. Ich hab gar nicht begriffen, warum sie sich über so etwas freut, das ist doch selbstverständlich und meine Erklärungen hielt ich für reichlich unzulänglich und unvollständig. In mir war nicht das Gefühl "Super, sie freut sich, weil ich ihr etwas neues beibringen konnte", sondern nur "Vielleicht habe ich sie durch meine miese Erklärung dümmer gemacht, weil alles, was ich gesagt habe, falsch war".

Heute setzte sich das ähnlich fort. Ich konnte nicht verstehen, warum sich die Leute, denen ich Hörgeräte angepasst habe, denen ich erzählt hab, um was es geht, wie man die Dinger bedient, wieso warum weshalb, sich so gefreut haben und mir so dankbar waren. Ich habe doch nichts besonderes gemacht. Das, was ich gemacht habe, war doch garantiert so mies, dass selbst die Auszubildende dort im ersten Lehrjahr das besser gekonnt hätte. Meiner Meinung nach habe ich nur dummes Zeug geredet. Einfach nur Schwachsinn.
Doch die angelernte Kraft kam herein, bedankte sich bei mir, dass ich zwischendurch die Kabinentür aufgemacht hatte (um ein HG anzupassen wird die Türe eigentlich geschlossen), damit sie etwas von meiner Beratung, meiner Erklärung zu den Geräten, dem Nutzen und der Handhabung mitbekommen konnte.
Eine Kundin, die ich hatte, war total verunsichert, sie hatte einen kleinen Schlaganfall und eine Herzklappentransplantation. Wahrscheinlich auch beginnende Demenz.
Ich hab sie ganz ruhig und geduldig betreut, ihren Sohn, der mitgekommen war, hatte ich hereingerufen, damit er auch mithören kann und sich vielleicht das merkt, was sie sich nicht mehr merken kann.
Dabei konnte die angelernte Kraft eben auch lauschen.
Als die Kundin wieder fort war, hat sie mich angestrahlt und mir gesagt, wie klasse ich diese Kundin gehändelt hätte, bei ihrem letzten Termin sei sie fast in Tränen ausgebrochen, aber weil ich so ruhig war, ihr alles so geduldig und positiv erklärt habe, hätte ich alles ganz genau richtig gemacht. Und da musste ich irgendwie anerkennen, dass sie vermutlich Recht hat - sie ist gelernte Altenpflegerin und kennt sich aus.
Das hat mich nachdenklich gestimmt.

Im Laufe des Nachmittags hatte ich noch viel gefräst (wenn ein Ohrstück nicht passt, muss es eben passend gemacht werden :wink: ), dabei wurde mir verdammt warm und ich hab mir die Ärmel hochgekrempelt.
Dabei konnte die angelernte Kraft meine Schnitte und Narben sehen.
Sie guckte mich an wie ein gequältes Karnickel (meine Mutter hat auch so einen Blick drauf...) und fragte mich, warum ich mir das antue. Weil es mich beruhigt. Weil es mich für eine Weile vergessen lässt, was für ein mieser und unwürdiger Mensch ich doch bin, weil es auch ein wenig Strafe dafür ist, dass ich nicht perfekt bin. Daraufhin hat sie nur den Kopf geschüttelt.
Zum Abschied hatte sie mir heute Abend gesagt, dass sie die letzten Tage mit mir richtig toll gefunden hätte und sich auf das nächste Mal freut, wenn ich Vertretung mache.

Auf dem Heimweg im Zug habe ich viel Zeit gehabt, über ihre Worte nachzudenken.
Kann es sein, dass sie Recht hat? Bislang hab ich solche Worte immer nur auf Unwissenheit der anderen um meine erbärmliche Person geschoben oder einfach auf nette Worte oder Heuchelei.
Aber seit ich hier bin, habe ich den Eindruck, dass hinter solchen Worten tatsächlich mehr steht und dass ich tatsächlich irgendwie einen gewissen Wert haben könnte. Das Problem daran ist nur, dass ich den selbst in mir noch nicht erkennen kann.
Heute Abend habe ich auf jeden Fall einen Schritt in Richtung zu mir selbst getan.
Es ist einfach total verrückt, ich hätte beim Abschied anfangen können zu heulen, nur, weil sie diese Worte gesagt hat. Jetzt sitze ich hier und mir verschwimmt vor Tränen die Welt vor den Augen, weil ich in den letzten drei Tagen tatsächlich etwas richtiges in meinen Aktionen habe finden können.
Und weil ich zum ersten Mal glaube, anderen vermutlich doch nicht nur unnütz Lebensraum und Atemluft wegzunehmen.

Liebe und nachdenkliche Grüße
Julia

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magicjeanny
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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von magicjeanny » 25.02.2011, 23:22

Hallo Julia,

ich wünsche dir, dass du solche Momente bald genießen kannst und dich nicht nur darüber wunderst.

lG

magicjeanny

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PieterSit
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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von PieterSit » 25.02.2011, 23:51

Liebe Julia, ja ich meine es auch so, "Liebe Julia", Du hast den Menschen in den letzten Tagen denke ich, mit Deiner lieben Art über die Anwendungen mit dem Hörgerät und was Du ihnen mit klaren und nicht umständlichen Worten erklärst, ihnen eine Freude bereitet, weil sie es verstanden, Du bist auf sie eingegangen ohne technischen Kauterwelsch.
Unterschätze bitte nicht Deine Wirkung auf die Mitmenschen, denn jeder wird auf die eine oder andere Art gebraucht hier im Leben +##+ Du bist ein wertvoller Mensch,ich hoffe Du siehst dies nach Deinen Erlebnisse der letzten Tage auch so, schaue in Dich rein und höre nicht auf Deine Vergangenheit die Dich runter ziehen wollen, weil sie sehen das Du es alleine schaffst.
Ich würde Dir einen Rhodochrosit ++"# und einen Richterit ++"# empfehlen ++"#

+._-{### das Du hier im Forum bist.


Liebe Gedanken PieterSit

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Rita_S
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Re: Suche Hilfe gegen Borderline und wiederkehrende Depressi

Beitrag von Rita_S » 26.02.2011, 00:02

hallo julia,
glaub doch endlich an dich selbst,
wir alle drücken dir für die nächsten wochen
zu den anstehenden prüfungen alle daumen,
du schaffst die prüfung, weil du es willst.
und wenn der druck einmal abgefallen ist,
dann wirst du vielleicht besser empfinden
können, was du für eine positive energie
in dir hast, die andere längst bemerkt haben.

++"#

alles liebe und gute für dich

mini :D

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